Victor Aimè Huber (1800 – 1869)...“Die Entstehung von Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften in Deutschland ist eng mit reformerischen Bemühungen der revolutionären Zeit verbunden. Insbesondere ist es die Gedankenwelt des Sozialpolitikers Prof. Victor Aimè Huber (1800 – 1869), der sich um eine Veränderung der Wohnverhältnisse der Arbeiter bzw. unteren Bevölkerungsschichten, auch nach dem Scheitern der 1948er Revolution, sorgte. Die Bauindustrie hat in jenen Jahren noch nicht jene Leistungskraft erreicht wie in der Zeit nach 1871. Die Bevölkerungszahlen wuchsen rascher, als der Bedarf an Wohnungen gedeckt werden konnte.“ ...     Viktor_A_Huber
Victor Aimè Huber (1800 – 1869)
... „eingebettet in einer ganzen Anzahl Gründungen von Genossenschaften bzw. Gesellschaften gleichen Charakters, deren Grundlage reformerische Bestrebungen des frühen 20. Jahrhunderts sind“ ... – Chronikbeitrag von Dr. Andreas Bednarek (Kunsttopographisches Büro) – wurde unsere Genossenschaft 1904 gegründet.

 

Im Sommer 1904 bildeten die Herren Stadtbauinspektor Hagedorn, Maschinenbau-schul-Oberlehrer Kretz und Baugewerksschul-Oberlehrer Peschko einen Ausschuss zur Schaffung einer Gartenvorstadt am Rabenberg. In der am 13. August 1904 abgehaltenen Gründerversammlung wurde die Gründung des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Görlitz e. G. m. b. H. in Görlitz beschlossen.
Am 20. August 1904 wurde die Eintragung des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Görlitz e.G. m. b. H. in das Genossenschaftsregister Nr. 24 vom Kgl. Amtsgericht bekannt gemacht.
Der Verein begann seine Tätigkeit in beeindruckender Weise, indem er sich ein 52 Morgen (13 ha) großes Gelände in Görlitz-Ost, am so genannten Rabenberg durch notarielles Kaufangebot sicherte und die erforderlichen Vorarbeiten zur Aufschließung und Bebauung des Geländes ausführte.

Während der Verein mit seinen Bestrebungen innerhalb der Beamtenschaft größtes Interesse erregte, so dass sofort an hundert Mitglieder gewonnen werden konnten, fand er wider Erwarten in der Bürgerschaft heftigen Widerstand und bei den städtischen Körperschaften keine Unterstützung. Der Widerstand ging vor allen Dingen von den auch in Görlitz noch vorhandenen Bauspekulanten aus, die den unwillkommenen Konkurrenten fürchteten und es verstanden, auch die sesshaften Grundbesitzer und solidenUnternehmer aufzuwiegeln.
Es gelang daher den Bemühungen des Vorstandes und Aufsichtsrates nicht, die geplante Gartenstadt durchzuführen.
Die nach Betätigung strebenden Kräfte der jungen Genossenschaft konnten nicht nutzbringend verwendet werden und verzettelten sich in nutzlosen Zwistigkeiten zwischen Vorstand einerseits und Aufsichtsrat und Mitgliedern andererseits, so dass sich schließlich der erste Vorstand gezwungen sah, seine Ämter niederzulegen.
Alle diese Widerwärtigkeiten führten dazu, dass die Mitgliederzahl, die sehr schnell im Anfang die Hundert überschritten hatte, am 30. September 1906 auf 67 zusammenge-schmolzen und die Gefahr des vollständigen Zusammenbruches in greifbare Nähe gerückt war.

Der neue Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden  Herrn Professor Paschke, Baugewerkschul-Oberlehrer war sich von Anfang an darüber klar, dass nur sofortige Bautätigkeit die Genossenschaft noch retten konnte, und sah sich daher gezwungen, zunächst die Gartenvorstadt aufzugeben und den Bau von Mietswohnungen in Mehrfamilienhäusern energisch zu betreiben.
So wurde, wie es so oft geht, das Böse, dass die Gegner gewollt hatten, ins Gute gewandelt, denn nunmehr begann die Genossenschaft, sich auf den Bau von Mietshäusern zu verlegen und im Jahre 1909 mit verstärkten Kräften die Gründung der Gartenstadt am Rabenberg zu betreiben.
Damit hatte die Genossenschaft endlich ihr altes Gründungsziel erreicht, und nun begann eine ununterbrochene Zeit ruhiger Entwicklung.
Es kann also wohl mit Recht gesagt werden, dass die Gründung des Beamten-Woh-nungs-Vereins zu Görlitz  e. G. m. b. H. in Görlitz nicht nur der Genossenschaft und ihren Mitgliedern, sondern auch der baulichen Entwicklung der ganzen Stadt zum Segen geworden ist.

...“ in diesem Jahr begeht die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Görlitz eG ihr 100jähriges Bestehen. Die älteste Wohnungsbaugenossenschaft in Görlitz ist damit auch Teil der neueren Geschichte unserer Stadt. ...
Die Genossenschaft hat vielen Generationen von Görlitzern ansprechenden  Wohn-raum zur Verfügung gestellt und sie damit im wahrsten Sinne des Wortes „heimisch“ in unserer Stadt gemacht. Gegründet in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und des damit einhergehenden stürmischen Bevölkerungswachstums, lag der Schwerpunkt des Bauens zunächst im östlichen Teil von Görlitz. Die Gartenvorstadt auf dem Rabenberg ist das bekannteste Beispiel und auch heute noch vielen Görlitzern ein Begriff.
Die Teilung der Stadt im Ergebnis des 2. Weltkrieges hinterließ auch für die Genossen-schaft empfindliche Lücken. Die Mehrzahl der Genossenschafter musste damals wie viele Tausende andere Görlitzer binnen weniger Stunden ihre Wohnungen verlassen und im westlichen Teil der Stadt Zuflucht suchen – bei Freunden, Bekannten, anderen Genossenschaftern oder Fremden.
Mit dem verbliebenen Wohnungsbestand im Westteil der Stadt wagte die Genossenschaft einen Neuanfang und als in den 50-er und 60-er Jahren des. 20. Jahrhunderts Neubauten in Rauschwalde und Weinhübel hinzukamen, entwickelte sich die Genossenschaft wieder zu einem begehrten und geachteten Großvermieter in Görlitz. Seit der politischen Wende wurden umfangreiche Sanierungen vorgenommen und damit die Wohnbedingungen für die Mitglieder entscheidend verbessert.“ ...


Aus dem Grußwort des Oberbürgermeisters, Herrn Prof. Dr. Rolf Karbaum, in der 2004 erschienen Chronik der Genossenschaft

Unsere Genossenschaft verfügt über 851 Wohnungseinheiten in den Stadtgebieten von Görlitz – in Weinhübel, Rauschwalde und in der Südstadt.
In unserer Genossenschaft sind 887 Mitglieder eingetragen. Nach dem Motto:


Ihr Zuhause finden Sie bei uns!